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Homosexuelle in der Kirche
Jörg Dittberner
Einleitung
Homosexualität erregt wie kaum ein anderes
Phänomen des menschlichen Lebens die Gemuter, sobald das
Gesprach darauf kommt. Aggressionen kommen hoch und ein sachliches
Gespräch wird oft unmöglich.
Dieses Thema betrifft aber irgendwie uns alle, da einige selbst
homosexuell sind und wir anderen entweder ihre Angehörigen
oder Bekannten, mindesteas aber ihre Brüder und Schwestern
im Evangelium sind. Es betrifft sehr tiefe Aspekte des Menschseins
und der menschlichen Beziehungen, insbesondere auch die Mitgliedschaft
in der Kirche. Darum finde ich, daß das Thema diskutiert
werden muß. Es besteht meines Wissens ein großer Informationsbedarf
und viel Not an Trost und Versöhnung.
Ich habe deshalb diesen Artikel ganz auf Destsch geschrieben,
obwohl mein Material ausschließlich auf Englisch ist. Mir
ist kein derartiges (mormonisches!) Material auf Deutsch bekannt.
Sollte jemand Interesse an Materialien haben (Zeitschriften, Broschüren)
möge er/ sie sich bitte über die BETRACHTUNGEN an mich
wenden oder an die unten angegebenen Addressen.
Gliederung
1. Homosexualität als biologisches Phänomen
2. Homosexualität in den Schriften
3. Die Einstellung der Kirche zur Homosexualität
4. Meinungen von Homosexuellen
5. Homosexuellen Organisationen
6. Eigene Stellungnahme/Schlußwort
1. Homosexualität als biologisches Phänomen
Homosexualität ist eine sexuelle Orientierung
auf Angehörige des gleichen Geschlechtes. Sie betrifft alle
Aspekte der Sexualität (Anziehung, Phaatasien, Praxis) und
der zwischenmenschlichen Beziehungen (Gefühle, Bindung, Försorge,
...). Homosexualität ist genauso komplex und vielfältig
wie Heterosexualität und prägt die Persönlichkeit
gaumso tief. Darum sollte man auch von "homosexuell sein"
sprechen und nicht davon, jemand hätte "homosexuelle
Neigungen, ...
Man unterscheidet Schwulheit (zwischen Männern) und Lesbizität
(zwischen Frauen). Die englischen Bezeichnungen, die auch bei
uns oft gebraucht werden, sind "homosexuell" oder "queer"
(= beliebteste Selbstbezeichnung), "gay" (= schwul)
und "lesbian" (= lesbisch).
Die sexuelle Präferenz bedeutet übrigens
nicht, daß nicht auch andere sexoelle Erfahrungen genossen
werden können (bei hetero- wie bei homosexuellen Menschen).
Kinsey berichtete, daß die meisten von ihm befragten Männer
in ihrem Leben homosexuelle Erfahrungen gehabt hätten, die
meisten vorpobertär, 37% aber auch später.
Man geht von mindestens 22 Millionen Homosexuellen in den USA
aus (Stand 1978).
Eine "Verweiblichung" in Aussehen und Handeln oder "tuntenhaftes
Auftreten" muß überhaupt nicht die Folge von Schwulheit
sein. Viele Schwule sind eher bewußt bis übertont männlich
in ihrem Auftreten.
Die größte Aggressivität gegen Homosexuelle findet
man tragischerweise oft bei Homosexuellen, die sich damit "tarnen"
oder ableaken wollen.
Homosexualität kommt auch bei Tieren vor und ist bei Menschen
weit verbreitet (geschichtlich und weltweit). Die soziale Einstellung
zur Homosexualität schwankt allerdings von besonderer Achtung
für Homosexuelle (wegen besonderer "spiritueller Gaben")
über völlige Toleranz bis zu "Homophobie"
(= Furcht vor Homosexualität) und Gewalt gegen Homosexuelle
(so im Dritten Reich).
Neben dem Streit darum, ob Homosexualität "ummoralisch,
illegal, unsozial" ist, ist die eigentliche Streitfrage bzgl.
der Homosexualität als biologisches Phänomen die Ursache:
Ist Homosexualität angeboren oder erworben?
Es gibt verschiedene Erklärungsmodelle für beide Möglichkeiten,
in der Konsequenz laufen sie auf drei Thesen hinaus:
- Homosexualität ist eine bewußte,
sündige Entscheidung und kann auch bewußt geändert
werden.
- Homosexualität ist eine Geisteskrankheit
und behandelbar.
- Homosexualität ist eine natürliche
und unabänderliche sexuelle Orientierung
Es gibt seit einigen Jahrzehnten eine Reihe
klinischer Untersuchungen und die meisten kommen zu letzterem
Ergebnis. Es gibt aber auch FäIle der möglichen Auslösung
von Homosexualität durch besondere psycho-soziale Umstände
(z.B. Kindesmißbrauch, Vernachlässigung) oder durch
bewußte Entscheidung (letzteres wird vor allem von Lesben
so dargestellt). Das Problem klinischer Untersuchungen ist die
Tatsache, daß nur ein sehr kleiner Prozentsatz der Homosexuellen
solche Art Hilfe sucht, und daß deren Krankheitsbild genausogut
durch die Feindlichkeit der Gesellschaft ihnen gegenüber
bedingt sein kann.
Typische Entstehungstheorien und Therapien seien hier kurz erwähnt
(meist in Bezug auf Schwulheit):
- Homosexualität als "falsch konditionierter
Reflex"; Behandlung mit Elektroschocks zur "Rekonditionierung"
(Schocks bei homosexuellen Stimuli, Belohnung bei heterosexuellen
Stimuli)
- Homosexualität als Folge falschen
Denkens; Therapie durch positives Denken
- Homosexualität aus Mangel an heterosexueller
Erfahrung, Behandlung durch heterosexuellen Sex (bzw. Heirat)
- Homosexualität aus Mangel an "gesunden,
freundschaftlichen" Beziehungen zu Männern; Gruppengesprächstherapie
- Homosexualität aus einem ödipalen
Trauma; Psychoanalyse
- Homosexualität durch zu hohe männliche
Konkurrenz; Stärkung der Wettbewerbsfahigkeit
- Therapie durch Hypnose
- Urschrei-Therapie
Die Menge der Therapievorschläge spricht
für die Unklarheit der wahren Ursachen. Oft kommt es im der
Folge von Therapien zu schweren psychischen Schädigungen
und Psychosen.
Masturbation und Pornographi werden zwar auch
gelegentlich aus Urasachen genannt, sind aber wohl eher Ausdruck
der Sexualität (insbesondere, wenn ein anderes Ausleben sozial
noiht möglich ist).
Es gibt keine Beweise für die Erblichkeit der Homosexualität
oder für spezifische andere Ursachen. (Dean Hamer verweist
darauf, daß der von ihm entdeckte Erbfaktor Xq 28 maximal
bei 67% der betroffenen Männer, wahrscheinlich aber nur bei
5-30% wirksam ist.)
Die Frage der Entstehung von Homosexualität (und übrigens
auch der von Heterosexualität) muß bislang noch offen
bleiben.
Beachtenswert ist allerdings, daß weder die im allgemeinen"homophobe" Gesellschaft eine Entscheidung zur Homosexualität
fõrdert/honoriert-sondern, oft gewaltsam, bekämpft,
noch die Betroffenen (insbesondere die Schwulen) eine bewußte
Entscheidung dafür behaupten, daß sie aber oft ihr
Leben lang mit aller Mühe (einschließlich schmerzhaftester
Selbstbestrafung) versuchen, davon wegzukommen, ohne daß
es ihnen gelingt. Auch die große Menge verheirateter Homosexueller
spricht für ihren WilIen zur Veränderung (und erzeugt
eine besondere Tragik, wenn die Veränderung nicht gelingt).
Es gibt keinen klinischen belegten Fall einer "Heilung"
eines Homosexuellen. Briefe sogenannter "Geheilte" entpuppten
sich bei Nachfragen als Produkt des enormen sozialen Drucks und
nicht als wahrheitsgemaßes Zeugnis.
Auch gibt es Hinweise auf Homosexualität in sehr jungen Jahren
(im oder vor dem Vorschulalter), wo noch keine aktiven sexuellen
Erfahrungen vorliegen und von einer bewußten Entscheidung
keine Rede sein kann.
Für die "Verführungsthese", nach der Homosexuelle
Heterosexuelle zur Homosexualität verführen, gibt es
keinerlei reale Anhaltspunkte. Oft sind die ersten Sexualpartner
von Homosexuellen heterosexuell und gleichen Geschlechtes.
Auch ergibt die Zwillingsforschung eine hohe Korrelation/ übereinstimmung
bzgl. der sexuellen Orientierung (was gemeinhin als Hinweis auf
Erblichkeit gilt). Elder Oaks verweist darauf auch in seinem Artikei
im "Stern" (3/1996) und nennt als Prozentsatz 48-52%.
Er verwendet dann ein Zitat, in dem es heißt, diese Zwillinge
würden bei den gleichen Eltern aufgewachsen sein, was außergewöhnlich
wäre, da die Zwillingsforschung gemeinhin mit getrennt aufgewachsenen
Zwillingen arbeitet (um den Einfluß der Umwelt differenzierter
betrachten zu können).
Homosexualität ist offiziell keine Geisteskrankheit mehr,
da, abgesehen von der sexuellen Orientierung, keinerlei PersönlichkeitsauffälIigkeiten
festgestellt werden konnten.
In den USA ist es vor allem die religiöse Rechte, die, insbesondere
seit dem Wegfall der Kommunisten als spendenwirksamer Gegner,
gegen Homosexualität wettert (700 Club; "Evergreen"
= für Heilung" von Homosexuellen; Pat Robertson, etc.).
2. Homosexualität in den Schriften
Es wurde von Seiten der Homosexuellen einiges
an exegetischer Arbeit geleistet auf der Suche nach anderen Interpretationen
der einschlägig bekannten und gegen Homosexualität erwendeten
Stellen der Bibel und auf der Suche nach positiven Vorbildern
in der Schrift.
Dabei kamen sie zu interessanten Ergebnissen:
Die Prophetenbücher des Alten Testaments
enthielten keine Hinweise auf Homosexualität, nur die "priesterliche"
Literatur spräche darüber.
Das dort meist verwendete Wort "qadesh" werde im alIgemeinen
in Zusammenhang mit Kultprostitution beim Götzendienst (hier
mit männlichen Prostituierten) verwendet (z.B. Deut 23:17).
Nur die Stellen im Levitikus scheinen generell von homosexudlen
Praktiken zu sprechen (Lev 18: 22 und 20:13).
Alan David Lach "Homosexuality & Scripture From A
Latter-Day Saint Perspective", hrsg. von Affirmation,
L.A. 1989) verweist hierbei auf einen möglichen Einfluß
der persischen (zoroastischen und homosexualitätsfeindlichen)
Kultur während des Exils und auf ganz ähnliche Stellen
in zoroastischen Schriften. Als Indiz für einen späteren
Einfluß macht er geltend, daB hier nicht wie an anderen
Stellen auch der parallele weibliche Fall erwähnt wird.
Dies könnte auch darauf hinweisen, daß es sich hier
um die Leitung von Kultprostitution handele und nicht um Liebesbeziehungen.
Zu beachten sei ferner, daß dies für Priester galt
und Teil ihrer besondere Stdhmg und Heiligkeit (= "levitische
Reinheit") war. Heute würden aber die anderen Regeln
dieses "Reinheitsgesetzes" nicht mehr länger für
gültig erachtet (z.B. Brandopfer, Beschneidung, Levirats
ehe, Essensvorschriften, das Verbot von Mischgewebe, etc.).
[Mary Douglas sah diese Vorschriften als Symbol für die völlige,
ungeteilte, von einem Weg (z.B. vom Weg des Nutzviehs als paarhufig
und wiedergäuend) nicht abweichende Verpflichtung/ Weihe
gegenüber Gott an.]
Zu beachten sei auch, daß Homosexualität hier als rituelle
Unreinheit und nicht als Sünde definiert wird. Der Mangel
an weiterer direkte oder indirekte Erwähnung zeige, daß
diese Frage den Verfassern der Bibeltexte wohl nicht so wichtig
war, was bei einer Sünde eigentlich ausgeschlossen sei.
Die Sünde Sodoms sei auch nicht Homosexualität gewesen,
wie oft gesagt würde, sondern Götzendienst und Materialismus
(nach Ezechiel 16: 48-50), Stolz und Mangel an Gastfreundschaft.
Alan D. Lach verweist ferner darauf, daß es sich bei dem
versuchten AngrifFder Einwohner auf die Boten des Herrn um die
in der Antike bekannte "phallic aggression" (die anale
Vergewaltigung zur Demütigen des Gegener) gehandelt haben
könnte. Auch spräche Lots Angebot, seine Töchter
stattdessen zur Verfugung zu stellen, eher für eine heterosexuelle
Umgebung (Lach zitiert auch die Joseph Smith übersetzung,
in der auch der AngrifF auf die Töchter als Vergewaltigung
und nicht als Angebot Lots aufgezeigt wird).
Die Stellen im Neuen Testament verwiesen auch eher auf einen Bezug
zur
(Kult-)Prostitution oder auf die griechische Pnmis der Knabenliebe
als Erziehungsform (s. 1.Kor 6:9 und 1, Tim 1:10).
So sei vielleicht auch Rö l: 24-27 zu verstehen. "Unnatürlich"
sei hier nicht als moralische Wertung zu verstehen, sondern als
"Widerspruch zur eigenen Natur" im Sinne von außergewöhnlich.
In Rö 11: 24 werde der Begriff für Gottes Gnade gegenüber
den Heiden verwendet.
Clay Jenkins (in: "Prologue: An Examination of the Mormon
Attitude towards Homosexuality". Prometheus Enterprises
1978) verweist in diesem Zusammenhang auf die antike These, daß
Homosexualität durch zuviele heterosexuelIe Aktivität
verursacht werde. Pauli Statement in Rö sei dann vielleicht
so zu verstehen, da er vom Abwenden von den Frauen und
Knwenden zu den Männern spricht. Dann seien hier eventuell
nur Heterosexuelle angesprochen, die aus Neugier, etc. homosexuelle
Praktiken erprobten.
Alan David Lach verweist auf Unklarheit in der Bedeutung der verwendeten
Worte, die auch andere Deutungen als homosexuelle Praktiken zuließen,
ingesamt aber die Nähe zur Kultprostitution nahelegten und
damit nicht auf gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen abzielten.
Es wird auch auf Pauli Empfehtung des Zölibats hingewiesen,
die ja im Widerspruch zu unserer heutigen Hochschätzung der
Ehe und ihrer religiösen Bedeutung stehen. Paulus selbst
sei vielleicht auch homosexuell gewesen (siehe sein oft erwähnter
"Stachel im Heisch"). Dies würde zu seiner Heftigkeit
und zur euphemistischen Umschreibung passen.
Jesus selbst sage in den Evangelien wenig über Sex, verurteile
homosexueile Praktiken, die zu seiner Zeit im Vorderen Orient
weit verbreitet waren, aber auch nicht.
Insgesamt wird festgestelt, daß die Bibel Homosexualität
nicht als Sünde definiert und insbesondere keinen Kommentar
über die gleichgeschlechtliche "eros "/ romantische
Liebe enthalten. Zentral sei in allen Erwähnungen der Götzendienst
mit seinen sexuellen Ritualen.
Das Schweigen sei kein Beleg gegen oder für Homosexualität.
Aber vielleicht werde nicht genannt, was allgemein üblich
und akzeptiert war.
Auf alle Fälle dürfe man sich nicht an der nachbiblischen
(Interpretations-)Tradition orientieren, die eine sehr unrühmliche
Rolle in der Inquistion als Grund für Beschlagnahmen, Folter
und Mord gespielt habe und sonst allgemein als Ausdruck des "Großen
Abfalls" angesehen werde.
Es finde sich kein Hinweis auf Homosexualität im Buch Mormon
und in neuzeitlichen Schriften!
Interessant sei aber die Toleranz für sexuelle Vielfalt bei
den Indianer, die diese eventuell von ihren Vorfahren aus dem
vorexilischen Paläsitina mitbekommen hätten. Hier gäbe
es die Institution des berdache" ("Weibmann") und
der "amazone" ("Mannweib") mit besonderen
geistlichen Aufgaben. Homosexualität werde hier als gottgewollte
besondere, auch spirituelIe Begabung verstanden.
Als positive Vorbilder werden allen voran David und Jonathan als
leidenschaftliches Liebespaar genannt, die, so die Vermutung einiger,
sogar ein eheähnliches Bündnis (1. Sam 18:3) eingingen.
Dann wird auch der Zenturio und sein Diener im Neuen Testament
genannt und damit auf eine zumindest tolerante Haltung Jesu hingewiesen.
Teilweise (nicht aber im mir vorliegenden mormonischen Material)
wird auch Jesus eine homosexuelle Beziehung mit seinem Lieblingsjünger
Johannes unterstellt.
3. Die Einstellung der Kirche zur Homosexualität
Die Kirche hat offiziel eine klare Position
gegen die Homosexualität. Ihrer Meinung nach ist jede Form
sexueller Betätigung, einschließlich gedanklicher Beschäftigung,
ein Verstoß gegen die Gesetze Gottes, wenn sie nicht zwischen
den Ehepartnern geschieht, und muß deshalb disziplinarrechtlich
verfolgt werden.
In einem Handbuch für Gemeindeleiter von 1992 wird dazu erklärt,
daß homosexuellen Praktiken gegen die Gebote Gottes verstießen,
dem Zweck menschlicher Sexualität widersprächen (= der
Fortpflanzung und Bindung der Ehepartner), liebevolle Beziehungen
verdrehten/entstellten (gemeint sind wohl heterosexuelle, z.B.
Ehen Homosexueller) und die betroffenen Menschen der Segnungen
eines Familienlebens und der erlösenden Verordnungen des
Evangeliums beraubten.
Dieser Standpunkt beinhaltet, daß Homosexualität bewußt
gewählt wurde, also nicht angeboren ist, und jeder Zeit durch
einen Prozeß der Umkehr, durch die Liebe des Himmlischen
Vaters und durch das Sühnopfer Christi wieder abgelegt werden
kann wie eine andere schlechte Angewohnheit oder eine Sucht. Darum
spricht die Kirche auch nicht von Homosexuellen, sondern von "Menschen
mit homosexuellen Problemen". Diese Menschen seien voll verantwortlich
für ihr zukünftiges (sexuelles) Verhalten.
Es wären auch Fälle bekannt, ia denen Menschen dieses
Verhalten abgelegt und zu befriedigendem heterosexuellen Verhalten
gefunden hätten (dazu s.o.).
Als verstärkende Faktoren für eine homosexuelle Orientierung
bzw. Praxis werden Pornographie und Masturbation genannt, die
in sich bereits Sünden wären und ebenfalls zu unterbleiben
hätten. Auch sollte Freuadschaften gemieden werden, die die
Versuchung bewußt machten.
Die Gemeindeleiter werden aufgefordert, sich liebevoll und mitfühlend
um ein Vertrauensverhältnis zu bemühen und die Betroffenen
anzuleiten, die Schwere ihrer übertretung zu erkennen, Reue
zu entwickeln und sich dem Erlöser zuzuwenden.
Ehe wird als Therapie nicht empfohlen. Zu einem Aids-Test wird
geraten.
Angehörige sollten getröstet und darin bestärkt
werden, die Betroffenen weiterhin zu lieben und auf ihre schließliche
änderung zu hoffen. Ihnen sollte keine Schuld am Verhalten
der Betroffenen gegeben werden. (Nach einem Handbuch für
Mitarbeiter der "LDS Social Services" von 1995 soll
jedoch die Ursache für Homosexualität ganz im Fehlverhalten
der Eltern liegen; Homosexualität ist hier eine "Verwirrung
über das eigene Geschlecht" hervorgerufen durch dysfunktionale
Familien und dient als Ersatz für wirkliche Intimität.
Fraglich ist dann aber natürlich, warum es dann so viele
Heterosexuelle aus dysfunktionalen Familien gibt, warum es auch
Heterosexuelle gibt, die bei homosexuellen Paare aufwachsen und
warum es Homosexuelle aus "gesunden" Familien gibt.)
Der beste Schutz vor homosexueller Orientierung seien gesunde
Familienverhältnisse und ein Zeugnis von Gott und dem Evangelium,
sowie der darin vorgesehenen Rolle für Männer und Frauen
(auch hier wird also Homosexualität in die Nähe unsicherer
Geschlechtsidentität gerückt).
Es wird die Ansicht vertreten, unser Geist sei heterosexuell und
die homosexuelle Orientierung damit sekundär, eine Folge
von Verführung, Sünde.
Elder Oaks vertritt in seinem oben bereits erwähnten Artikel
im "Stern" (3/1996) die Argumentation, daß es
unsere Bestimmung sei, Eltern zu werden wie unsere Eltern im Himmel
und daß dies nur durch eine treue Tempelehe geschehen können.
Der Satan jedoch versuche, dies zu verhindern. Er würde gegen
das Prinzip der Verantwortlichkeit streiten, für den Mißbrauch
der Zeugungskraft (Umschreibung für Sexualität?), gegen
die Ehe und fur die Verwischung der Unterschiede zwischen Mann
und Frau.
Es sei möglich, daß es entsprechende Gefühle gäbe
und auch daß eine Neigung dazu angeboren sei. Doch bedeute
dies nicht zwangsläufig ein entsprechendes Verhalten, so
sei bei Erbanlagen die umweltbedingte Ausprägung zu berücksichtigen
(Ausprägung nur bei entsprechenden Umwelteinflüsen,
Modi6zierung der Ausprägung durch Umwelteinflüsse, Interaktionsmodell
zwischen Anlage und Umwelt). Die Freiheit des Einzelnen
sei dadurch eingeschränkt, nicht aber seine Entscheidungsfreiheit!
Homosexualität sei eine Abweichung von der Norm, verhindere
die Erfüllung unserer Bestimmung-darum müsse man dagegen
ankämpfen (sowohl gegen die Gedanken, als besonders gegen
die Taten). Dies sei zu vergleichen mit der ebenfalls zu kontrollierenden
Neigung zu töten, zu stehlen oder zur Pädophilie (sexuelle
Mißbrauch von Kindern). Wäre eine Kontrolle durch den
Willen nicht möglich, so ware Gott ungerecht, da er dies
verlange. Eine siegreiche Kontrolle dieser Neigungen können
hingegen ganz besondere Stärke hervorbringen.
Elder Oaks fordert dann die Kirchenmitglieder sehr eindringlich
auf, diejenigen liebevoll und intensiv anzunehmen, die umkehrwillig
seien. Er macht jedoch klar, daß diejenigen, die nicht umkehren
wollten, ausgeschlossen werden müßten. Heilung sei
jedoch möglich durch Beten, Fasten, Versammlungsbesuch und
Rat durch Kirchenführer und Professionelle. Die Heilige Schrift
gebe die Norm vor und die laute nun einmal Sexualität in
der Ehe und Enthaltsamkeit außerhalb dieser.
Früher jedoch war die Kirche offener fur Homosexuelle. Einige
Forscher meinen, Siegetung schwuler Paare durch Joseph Smith,
Brigham Young und John Taylor nachweisen zu können. Unklar
ist hierbei allerdings, ob es sich bei den gesiegelten Freundschaften
zwischen Männer um platonische oder erotische Beziehungen
handelte bzw. ob ihr erotischer Charakter bekannt war. Gemäß
einiger seiner äußerungen war Joseph Smith zumindest
nicht feindlich gegenüberhomosexuellen Beziehungen eingestellt.
Bei einer Grabrede 1843 äußerte er sich positiv überdie
homosexuelle Beziehung des Verstorbenen.Die ersten Gesetze gegen
Homosexuelle gab es in den USA erst 1942, die erste Erwähnung
auf einer Konferenz der Kirche 1959; das erstes Statement von
Aposteln erfolgte 1962. Die ersten Maßnahmen in der Kirche
gegen Homosexuelle in den 1960'er wurden parallel zur Entstehung
der "Bewegung für die Rechte Homosexueller" ergriffen.
Nie wurde offziell bei Behauptung vertreten, eine besondere Offenbarung
diesbezüglich empfangen zu haben. Die Begründung wird
der konventionellen Argumentation entnommen (einschließlich
der negativen Interpretation der Bibelstellen).
In der Realität gibt eine sehr unterschiedliche Kirchenpolitik:
In einem "Singles Ward" in San Francisco sind 30% der
aktiven Träger des Melchisedekischen Priestertums homosexuell
(Afffirmation Newsletter, Affinity), in Idaho und Utah
erfolgen meist disziplinarische Maßnahmen. Ein aktive Mitarbeit
nach dem "coming out" (dem Bekennen/ Erklären der
Homosexualität) ist meist von der Einstellung der örtlichen
Führer abhängig. Zumeist wird die Forderung nach zölibatärer/
enthaltsamer Lebensweise erhoben.
In bezug auf die Behauptung, das Gesetz Gottes dürfe nicht
an menschliche Wünsche angepaßt werden, wird von Homosexuellen
darauf hingewiesen, daß dies in gewisser Form in Südamerika
praktiziert werden: Dort, wo die Scheidung verboten sei, fänden
sich Getrenntlebende zu "common law marriages" (wohl
ähnlich der mittelalterlichen "Winkelehe") zusammen.
Für diese seien sogar Tempelsiegelungen erlaubt, wenn sie
sich verpflichteten zu gegenseitiger Treue und Fürsorge (keine
Forderung nach Zölibat).
In der entsprechenden Szene fühlen sich etwa 83% mit der
Kirche verbundea, 63% sind exkommuniziert (so Duane Jennings,
Co-Direktor von Wasatch Affirmation).
4. Meinungen von Homosexuellen
Von Homosexuellen wird die These vertreten,
sie seien so von Gott gewollt und angenommen. Da Homosexualität
in der Natur und Geschichte vorkomme, sei sie wohl von Gott gewollt.
Wenn sie aber angeboren sei und Gott gerecht sei, dann müßten
auch für Homosexuelle die gleichen Chancen bestehen, die
Gebote zu erfüllen, Erhöhung zu erlangen. Jesus habe
ausdrücklich verboten, jemanden anderes besondere Lasten
aufzuerlegen, sondern vielmehr das gemeinsame Tragen gefordert.
Den Unterschied würden die "liebevollen, verantwortlichen
Beziehungen", auf die sich auch die negativen Schriftstellen
nie bezögen.
Homosexuelle hätten ein gleiches Recht auf Glücklichsein.
Homosexualität sei keine Krankheit, keine Sünde.
Gott verurteile Homosexualität nicht, sie sei von Gott so
gewollt und gleichwertig.
Das Evangelium sei für alle da. Homosexuelle würden
von Gott geaauso geliebt und eingeladen.
Viele hätten eine persönliche Offenbarung der Annahme
ohne Vorwurf empfangen.
Clay Jenkum fragt, ob denn die Anatomie einzig ausschlaggebend
für die Sexualität sein konne, wo es doch so viele Faktoren
(Gene, Hormone, Geschlechtsorgan, ...) dafür gebe. Wie wäre
es dann mit jenen Fällen, in denen es andere medizinische
Gründe für "Verhaltensabweichungen" gäbe?
Solange die Gründe für Homosexualität unbekannt
seien, sei sie keine moralische Frage! Die Mitarbeit in Homosexuellen-Kirchen
sieht er als ein Zeichen, wie ernsthaft ihre religiösen Interessen
seien. Auch komme der typische mormonische Schwule eher aus "gutem
Hause' und sei eher mehr aktiv als seine Altersgenossen.
Das "closet" (die Verborgenheit als homosexuell) habe
schweren psychischen Folgen, führe zum Verfust des Gefühls,
nicht selten zum Zerbrechen an der inneren Spannung, zu Psychosomatik.
Depressionen und Selbstmordversuche seien oft die Folge, verursacht
durch die massive Ablehung der Gesellschaft, nicht etwa durch
homosexuelle Beziehungen an sich. Oft schwänden solche Belastungen
nämlich gerade durch befriedigende gleichgeschlechtliche
Liebesbeziehungen.
Bei einem Drängen zur Heirat würde das Problem nur verschärft,
da dann noch andere mitbetroffen wären (Ehefrauen, Kinder).
Das Problem der Forderung nach einem Zölibat sei die Reduzierung
des Lebens und der Fähigkeit zu lieben und geliebt zu werde,
die Einsamkeit, die Verarmung der Menschlichkeit, das aufkommende
Mißtrauen und zunehmende Interessenlosigkeit.
Oft gäbe es auch schwere psychische Schäden nach Therapien.
Die Argumentation mit Unzucht sei nicht fair. Unmoral sei im Evangelium
eine Sache des Motivs, der Herzenseinstellung, nicht des technischen
Gesetzes (Lach). Unzucht müsse verstanden werden als einseitige
Nutzung von Sexualität, ohne Verantwortung, ohne Geben und
Nehmen, als Trennung von Erotik von Gefühl und Spiritualität,
geprägt durch ein falsches Motiv, falsches Timing und den
Mangel an göttlicher Zustimmung. En der Schrift werde der
Ausdruck der Sexualität als notwendig angesehen-warum solle
dies nicht für Homosexuelle gelten? Es werde nicht generell
gegen nicht-reproduktiven Sex argumentiert, also könne dies
kein Argument gegen Homosexualität sein. Sie verweisen hier
auch auf Statements zu Eunuchen (Jes 56:3-5, Mt 19: 12).
Diskriminierung und Feindlichkeit gegen Homosexuelle ständen
im Widerspruch mit der Lehre der Nächstenliebe, der Nichtverurteilung,
mit der Goldenes Regel, etc..
Bischof Robert A. Rees (L. A.) forderte, Homosexuelle nicht zu
verurteilen, sondern vielmehr darauf zu achten, wie weit man selbst
zum Leiden der Homosexuellen beitrage. Die christliche Aufgaben
sei es, die Last unseres Nächsten zu erleichtern, unabhängig
von der sexuellen Orientierung.
Die Zerstörung homosexueller Liebesbeziehungen dränge
erst ins Abseits, zu Promiskurität, gefährlichen lieblosen
Sex und Freundschaften außerhalb der Kirche.
Die Exkommunizierung sei eine große Drohung, zerstöre
das Leben der Betroffenen. Auch verliere die Kirche so manchesmal
mehr. Oftmals versuchte die Betroffenen, das Evangelium trotzdem
zu leben (was ihren religiösen Ernst zeige). Exkommunizierung
bringe keine Heilung, erhöhe eher die Gefahr des Seibstmordes.
Leiter seiea oft unßihig mit Homosexualität umzugehen.
Und wie sollten sie heilen, wenn Psychologen dies nicht schafften?
Man müssen endlich auch die negativen Konsequenzen der offiziellen
Position sehen.
Aus der eigener Verfolgung in Namen der Religion sollte man lernen.
Auch dürfe die Kirche ihre Fürsorgepflicht gegenüber
leidenden Homosexuellen nicht vernachlässigen.
Die Anpassung, auch der Kirchenprogramme, an neue Kenntnis sei
notwendig. (Es wird darauf verwiesen, daß mittlerweile doch
Menschen auf dem Mond landeten entgegen Joseph Fieldiag Smiths
anderslautendem Statement).
Die öffentliche Meinung könne kein Maßstab sein,
gerade für Mormonen nicht, die sich an die öffentliche
Meinung zurückerrinern konnten, die, z.B. ia Missouri gegen
Mormonen votierte, bis hin zum "Ausrottungsbefehl".
Es gehe hier um die Respektierung als Menschen! Das "Gesetz"
sei für die Menschen da, nicht umgekehrt-darum fordern sie
die Legalisierung homosexueller Beziehungen.
Der Weg dahin beginne in der Kirche mit dem Zugegeben der historischen
Vorbilder der Siegelungen und der positiven Hinweise in der Schriften
und der folgenden Akzeptanz homosexueller Lebensgemeinschaften
als tempelwürdig. Die volle und gleichberechtigte Teilnahme
Homosexueller in (Tempel-)Ehen am Kirchenleben müsse gewährleistet
werden.
Vielleicht wäre die Homosexualität eine besondere Gabe
mit besonderem Zweck, eines der verborgeaen Geheimnisse für
die Giäubigen eatgegen der Weisheit der Welt. Die Aufgabe
müsse lauten "To be the best Gay Child of God I can
be" (im Vergleich mit Ether 12: Schwächen zu Stärken;
Duane Jennings). Es ginge darum, Homosexualität sinnvoil
ins Lebe zu integrieren.
Homosexuelle hätten einen wichtigen Beitrag zu leisten. Sie
seien oft sensibler, höficher-und damit Jesus ähnlich-,
hätte allgemein eine bessere Ausbildung und seien kreativer
(= natürliche Veranlagerung oder auch Kompensation, Versuch
Anerkennung zu gewinnen und etwas für die nächste Generation
beizutragen). Ihre Gaben wären Akzeptanz, bedingungslose
Liebe, Sensibilität, Mitgefühl/-leid, Halten.
Sie würden schon jetzt einen wichtiger Beitrag zur Gesellschaft
leisten, in Kunst, Wirtschaft, Wissenschaft und Kirche. Soweit
moglich, arbeiteten sie aktiv in den Gemeinden, einschließlich
Leitungsaufgaben und Vollzeitmissionen.
AIDS als Lepra der Neuzeit sei kein Grund für Ausgrenzung,
sondern eine Aufgabe für Christen nach Vorbild Jesu. Vor
allem HomosexuelIe würden sich dieser Aufgabe bereits stellen,
da sie direkt von HIV/AIDS betroffen seien (selbst oder in nächster
Nähe).
Zur zentralen Frage der gleichgeschlechtlichen Ehen gibt es zur
Zeit eine heftige Auseinandersetzung in den USA:
Im Mai 1993 erklärte der Oberster Gerichtshof
von Hawaii die Staatsgesetze gegen die gleichgeschlechtliche Ehe
für nicht verfassungsgemäß (= selektive Diskriminierung).
Es kommt deshalb zur Wiederaufnahme eines Verfahrens (Beginn geplant
im September 1995). Unsere Kirche und die katholische Kirche Hawaiis
treten dagegen auf; als "Repräsentanten aller Religionen
und zum Schutz der Standards der Gesellschaft". Sie fürchten,
zum Vollzug gleichgeschlechtlicher kirchlicher Ehen gezwungen
zu werden, obwohl dies gar nicht zur Debatte steht (s. die Frage
der Scheidung und Wiederheirat, in der die kath. Kirche nirgends
zu einer von ihrem Standpunkt des Verbotes abweichenden Handlung
gezwungen wird). Die Homosexuellen fordern das Recht gleichgeschlechtlicher
Paare, ihre verbindlichen und langdauernden Beziehung staatlich
anerkennen zu lassen (mit allen Rechten!). Sie begründen
dies mit der Gleichheit aller Bürger und der menschlichen
Würde.
5. Homosexuellen Organisationen
(die allermeisten dieser Organisationen sind
auch für Bisexuelle und Transsexuelle offen)
Family Fellowship
- gemeinnützige Unterstützergruppe
für HLT-Familien und Freunde von Homosexuellen
- Ziel: soziale und spirituelle Hilfe als
Teil christlicher Nächstenliebe
- Forderung: Raum für "verlorene
Schafe" in der "LDS-Community"
- gewünscht wird keine Diskussion über
Gründe von Homosexualität oder über moralische
Fragen
- Vorbild: Jesu Dienst an Zöllnern
und Sündern, ohne zu verurteilen
- keine Mitgliedschaft möglich (wegen
eventueller Schwierigkeiten mit der Kirche), Unterstützerkreis
durch Abo des vierzehntätigen Newsletters
- Addresse: P.O.Box 3930, Salt Lake City, UT 84110
- http://www.ldsfamilyfellowship.org
Affirmation: Gay and Lesbian Mormons
- gemeinütziger Verein für die
Weiterbildung und Unterstüzung Homosexueller
- seit 1977
- für Gebet, spirituelle Praxis und
tätige Nächstenliebe
- Ziel: liebevolle, unterstützende
Gemeinschaft
- gegen "Therapien", etc.
- Program für Jügendliche und
Unterstützung von "Family Fellowship" und
"P-Flag" (s.u.)
- Teilnahme an bzw. Organisation von "Gay
Pride Parades/Festivals", Mission Reunions", "Retreats",
Ausflügen, etc.
- jährliche "National Conference" (2002 in Las Vegas;
2003 in Salt Lake City!)
- Sammlung von Berichten Homosexueller und
deren Veröffentlichung (zusammen mit "Family Fellowship")
- "Zelebrierung" von Beziehungen
(= Ersatzhochzeiten)
- Rod schlug bei einer Rede auf der Nationalen
Leiterschaftstagung 1995 die Erweiterung der drei Missionen der
Kirche für "Affirmation" vor-:
- "Living the Gospel" im täglichen
Leben, mit Herzen, im Dienst
- "Perfecting ourselves" = spiritueller
Fortschritt
- "Redeeming the Dying" Hilfe
für AIDS und Selbstmordgefährdete
- Affirmation trage eine große Verantwortung,
repräsentiere eine große Hoffnung. Die Grundlage müsse
Gottes Liebe für alle sein.
- Info-Paket für neue "Chapters"/
Ortsgruppen
- nationale Zeitschrift "Affinity",
regionale "Newsletters"
- Addresse des "Chapters" in Utah
(= "Wasatch Affirmation"): P.O.Box 526175, Salt Lake
City, UT 84152
GAMOFITES: Gay Mormon Fathers
- gegründet im Januar 1992 mit zwölf
Mitgliedern; im Juli 1995 über 80 Mitglieder
- in den gesamten USA
- Wochenendtreffen/-tagungen ("retreats")
Restoration Church of Jesus Christ
- gegründet 1986 in L.A. als "Church
of Jesus Christ of all LDS"
- eigene Version von LuB: "Hidden
Treasures and Promises"
- eigener Tempel, Präsident und z.Z.
2 Apostel, sowie Präsidierender Bischof, Priestertum für
- Männer und Frauen
- viele Zweige in den USA
P-Flag
- Unterstützerorganisation für
Homosexuelle, nicht HLT
Metropolitan Community Church (MCC)
- größte Homosexueilen Bewegung
der USA (und das als eine religiöse!)
- international
Eigene Stellungnahme/Schlußwort:
Meiner Meinung nach ist keine pauschale Verurteilung
der Homosexualität als Sünde möglich. Insbesondere
stellt sich für mich die Frage, wer geschüdigt wird,
sofern es sich um gleichmächtige und verantwortliche Liebesbeziehungen
handelt (anders als bei Pädophilie, Vergewaltigung oder Prostitution),
Ausnahmen im Verhalten (einschließlich der Ansteckung mit
HIV infolge unsicheren Sexes) können kein Grund für
die Verurteilung einer sexuellen Orientierung sein-sonst müßte
Heterosexualität längst verboten sein!
Die Frage ist, wie die mögliche Rolle der Homosexuellen in
der Gemeinschaft hier und in der Ewigkeit aussieht.
Das Konzept des zweigeschlechtlichen Gottespaares als Vereinigung
der Gegensätze läßt keinen Raum für Gleichwertigkeit.
Aber andererseits ist die Geschichte der Heiligen Schrift voll
auch mit anderen Vorbildern. Für mich liegt hier ein Teil
des Geheimnisses von Gottes Entscheidung am Jüngsten Tag.
Wir sollten hier demütig werden und uns, wie Jesus riet,
eines Urteils enthalten.
Doch dies sollte nicht die Mitwirkung der Homosexuellen hier auf
Erden ausschließen. Sie werden mit allen ihren Qualitäten
im Gemeinschaftsleben gebraucht! Wichtig ist für mich dabei,
Sexualität nicht nur auf Fortpflanzung zu beschränken.
Sie ist doch viel mehr, viel reicher und schöner, viel wichtiger
für unseren Ausdruck als Menschen. Und sie darf niemanden
verwehrt werden, will man ihn/ sie nicht eines großen Teils
ihrer Menschlichkeit berauben-und wie sollte dies zu rechtfertigen
sein?
Für mich geht es darum, die Entscheidung der Homosexuellen
zu respektieren, auf diese ihnen genehme Weise zu leben, auch
dann, wenn auch sie nicht wissen, wie dies in das eschatologische
Konzept der erhöhten Könige und Königinnen paßt.
Wenn sie ihr Leben rechtschaffen leben, d.h. ehrlich, verantwortungsbewußt
und liebevoll, so möchte ich den/ die ohne Schuld sehen,
der/ die den ersten Stein wirft!
Ja, ich denke sogar, daß Homosexuelle eine besondere Hilfe
für vor allem große Familien sein könnten, denn
so würde beiden Seiten gehalfen-alIe hätten Tei1an der
Pflege der nächsten Generation und die Kinder hätten
eine weit größere Chance, die Liebe und Zuwendung zu
bekommen, derer sie eigentlich bedürfen. Ich möchte
noch nicht einmal ausschließen, daß dies ein Grund
sein könnte, warum Gott nicht allen Menschen die Fortpflanzung
auftug (s. auch die Unfruchtbarkeit vieler heterosexueller Paare).
Zur Frage der rechtliche Form würde mir eine kirchliche Segung
für die Beziehungen vorschweben, auch dort, wo solche Lebensgemeinschaften
nicht staatlich anerkannt sind. Wenn Gott diese Menschen in Liebe,
gegenseitiger Achtung, Treue und Fursorge zusammengeführt
hat, darf der Mensch sie nicht trennen, ebensowenig wie aus rassischen
oder Statusgründen. Das göttlliche Recht steht hier
über dem weltlichen, wie wir es ja auch aus unserer Geschichte
in der Frage der Vielehe kennen.
Homosexuelle können sicherlich bereichernd für die Gesamtheit
sein. Ihre oft viel näheren Erfahrmgen mit dem Tod (durch
AIDS oder Selbstmord) sind wichtig und lehrreich für alle,
gerade in einer Zeit, in der wir dazu tendieren, Krankheit und
Tod auszugrenzen und damit einen Teil unserer Menschlichkeit hier
auf Erden zu verlieren.
Auch die Einstellung vieler Schwuler gegen Machogehabe und Männergewalt
sollte uns Männern ein Vorbild sein. Ich wünsche mir
für alle Jungen Männer zum Vorbild, die zeigen, daß
man männlich und zärtlich sein kann!
Entscheidend ist für mich in der ganzen Problematik das Vorbild
Jesu Christi, daß die Liebe das zentrale Moment sein solle,
nicht der Buchstabe des Gesetzes oder die gesellschaftliche Rolle.
So hat Jesus auch Gott geschildert, als gerecht durch sein Segnen
der Gerechten und der Ungerechten (im Symbol des lebensspendenden
Regens), als freudig über die Heimkehr.
Wollen wir uns in den Weg stellen und der Barmherzigkeit und Liebe
Gottes entgegentreten?
Ist es dies nicht, was das Neue Testament immer wieder vonden Pharisäern
in Reaktion auf Jesu Zärtlichkeit und Vergebungsbereitsschaft berichtet?
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